Morgens, 05.00 Uhr auf Usedom...
Beitrag #17: Lesedauer 7 Min.

Vom Rätzsee zur Ostsee – eine wasserreiche Begegnung

Monats-Rückblick Juni 2026: Wir verlassen Sachsen-Anhalt gen Norden. Über die mecklenburgische Seenplatte geht es auf die wunderschöne Ostseeinsel Usedom. Wir erreichen somit unser Sommerziel 2026. Sonne, Strand und Mee(h)r für die nächsten Monate scheinen gesichert…

Doch der Reihe nach:

Unsere Orte im Juni

Hier findest Du detaillierte Angaben zu den von uns besuchten Orten.

Wir wiegen den Dicken

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Wir verlassen den Campingplatz Nord- und Südsee Angern in Sachsen-Anhalt zugunsten unseres nördlichen Nachbarbundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Bereits kurz nach Verlassen des Campingplatzes bemerken wir eine hochbelastbare LKW-Waage für Kiesgruben-LKWs. Da wir bis zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht wirklich wissen, wie viel unser vierrädriger Freund wiegt, steht unser Entschluss fest: Bevor es weitergeht, wollen wir da drauf, denn nur ein Maximalgewicht von 7,50 Tonnen sind für unsere Führerscheine (und unseren Concorde) bußgeldbewährt. Ein kurzes Gespräch mit den dortigen Mitarbeitern später und um eine kleine Aufwertung der „Trinkgeldkasse“ leichter, dürfen wir unser Gefährt auswiegen. Das Ergebnis: Mit leeren Tanks verharrt die Waage bei nur 7,08 Tonnen. Mit zusätzlich möglichen 320 Litern Frischwasser landen wir somit bei exakt 7,40 Tonnen und daher immer noch 100 Kilogramm unter unserem maximal zulässigen Gesamtgewicht.

Im wahrsten Sinne des Wortes „erleichtert“ nehmen wir nun Kurs auf den FKK-Campingplatz am Rätzsee.

Abenteuer Anreise

Bereits die Anreise zu unserem Campingplatz entpuppt sich als Abenteuer: Mitten im Wald und direkt am See gelegen führt die einzige Zufahrt zunächst noch über eine einspurige Landstraße und später über einen Feldweg zum Campingplatz.

Auf dem Platz angekommen, sortieren wir erst einmal das anfahrtsbedingte Durcheinander sämtlicher Schränke. Auf dem Platz werden wir dafür mit purer Idylle und Ruhe belohnt: Außer dem weitestgehend unbebauten See und weitläufigen Waldgebieten, die sich bis an die Uferzonen erstrecken, punktet die Umgebung mit Natur pur. Ungewöhnliche Besonderheit: Nicht nur der Campingplatz, sondern der gesamte Rätzsee und die umliegenden Wälder sind FKK-Zone, mehrstündige Nacktwanderungen aber aufgrund der zahlreichen Mücken eine Herausforderung.

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Frivole Obszönitäten auf der Liebesinsel

Die Internetgemeinde einschließlich KI und sämtliche Reiseführer sind sich einig: Das „Drei-Königinnen-Palais“ in der ca. 20 Kilometer entfernten Kleinstadt Mirow mit knapp 4000 Einwohnern ist DAS „Must-see“. Also Drahtesel gesattelt und hingeradelt. Das Palais auf der Schlossinsel Mirow ist heute ein modernes Erlebniszentrum. Es bietet eine interaktive Ausstellung über die Geschichte von drei anscheinend berühmten und dort aufgewachsenen Prinzessinnen, die letztendlich zu europäischen Königinnen gekrönt wurden: Sophie Charlotte (Großbritannien), Luise (Preußen) und Friederike (Hannover).

Da wir Kulturbanausen jedoch keine der drei „Berühmtheiten“ kennen und eigentlich auch wenig bis gar kein Interesse an europäischer Adelsgeschichte haben, hält sich unser Aufenthalt dort zeitlich sehr in Grenzen. Auch das Palais selbst und der Schloßpark (eher ein gut gepflegter großer Garten) kommen eher schlicht daher und können uns nicht so wirklich abholen. Wir erhoffen uns dafür aber von der mit der Schloßinsel verbundenen „Liebesinsel“ wenigstens einen Hauch prickelnder Erotik, frei nach dem Motto: „Der Name ist Programm“. Aber auch diese Erwartung wird leider enttäuscht. Trotz oder wegen der fehlenden frivolen Obszönitäten machen wir einen Haken an das Palais – kann man besuchen, muss man aber nicht.

Mit dem Kajak auf den Rätzsee

Statt europäischem Adels-Klimbim geht es wenige Tage später mit dem Kajak auf den Rätzsee. Und genau das ist unser Ding! Stille und unberührte Natur vom Wasser aus erleben – atemberaubend schön! Daher hier unsere absolute Empfehlung: Erkunde die mecklenburgischen Seen mit dem Kajak. Das dichte Seen- und Kanalnetz bietet sich für mehrtägige Wasserwanderungen an. Die an den Seen gelegenen Campingplätze sind voll und ganz auf Wasserwanderer eingestellt. Manchmal sind sogar Rundtouren möglich, bei denen drei, vier oder fünf Seen bepaddelt werden, die alle miteinander verbunden sind und somit Start- und Ausgangspunkt vereinen.

Tip: Pack für jegliche Art Deines Aufenthaltes (egal, ob auf, am oder im Wasser) ausreichend Mückenspray ein: Je nach Saison und Wetterlage fressen Dich die Biester auf. An einem besonders aggressiven Abend setzt es binnen weniger Minuten mehr als 100 (!) Mückenstiche (Claudia hat bei 80 Stichen auf meinem Rücken aufgehört zu zählen). Derartige Ausnahmezustände lassen natürlich nur noch die Flucht ins Wohnmobil zu.

Städtisches Flair in Neustrelitz

Nach mehreren Wochen der Desozialisierung zieht es uns ins 25 Kilometer entfernte Neustrelitz, mit ca. 21.000 Einwohnern die einzig größere Stadt der Umgebung. Erneut machen wir uns also mit unseren Fahrrädern auf, um dort dringend anstehende Besorgungen zu erledigen. Die Tour findest Du weiter unten im Download-Bereich als GPX-Datei.

Wir besuchen den wunderschönen Neustrelitzer Schlosspark (allerdings ohne dazugehörigem Schloss, denn das ist nur noch eine Ruine) und das bekannteste und markanteste Wahrzeichen im Zentrum von Neustrelitz, den großen sternförmigen Kreisverkehr. Dieser fungiert als Marktplatz und ist der größte Marktplatz-Kreisverkehr seiner Art in Europa. Direkt daneben: Die barocke Stadtkirche, die mit ihrem schlanken Turm das Stadtbild prägt und Herzstück der historischen Stadtanlage ist.

„Houston – wir haben ein Problem“

Es ist Mitte Juni, und unser Aufenthalt am Rätzsee neigt sich dem Ende entgegen. Das Wetter schwächelt – es ist bei 12°C und kräftigem Regen ungemütlich. Wir planen daher unser nächstes Ziel (Usedom). Während der Recherche nach einem geeigneten Stell- oder Campingplatz bemerken wir feuchte Verfärbungen an der Decke im Bereich des hinteren Dach-Hekis. Und tatsächlich: Zwischen Dachluke und Dach tritt Wasser ein und dass, obwohl die Dichtigkeitsprüfung erst wenige Wochen her ist (unseren Bericht dazu gibt es hier). Mit Panzertape dichten wir den Schaden provisorisch ab und beseitigen restlos sämtliche Verfärbungen an der Decke.

Unser Glück: Ein Fall der Gewährleistung eben aufgrund der Dichtigkeitsprüfung. Unser Problem: Die Terminfindung, sowie die Distanz von 700 Kilometern zum Concordehändler unseres Vertrauens in Polch. Da aber Provisorien bekanntlich besser halten, als die fachgerechte Instandsetzung, einigen wir uns mit Niesmann Caravaning auf die Reparatur im Rahmen der ohnehin anstehenden Inspektion inklusive TÜV im Oktober. Sobald es hierzu etwas Neues gibt, werden wir natürlich berichten…

Es geht weiter nach Usedom

Die Insel Usedom liegt im äußersten Nordosten Deutschlands in der Pommerschen Bucht. Nach Rügen ist sie die zweitgrößte deutsche Insel. Geografisch bietet Usedom einen Wechsel aus steilen Küstenabschnitten und flachen Küsten sowie einer extrem wasserreichen Landschaft im Hinterland (dem sogenannten Achterland) mit zahlreichen Mooren und großen Binnenseen. Eine Besonderheit ist die Staatsteilung Usedoms in einen deutschen und polnischen Teil.

​Die Insel ist fast vollständig von Wasser umschlossen und stark zergliedert. Im Norden und Nordosten liegt die offene Ostsee mit einem rund 42 km langen, feinsandigen Strand, während im Westen der Peenestrom (ein Meeresarm der Ostsee) die Insel vom deutschen Festland trennt. An der schmalsten Stelle zwischen Koserow und Zempin verengt sich die Insel dramatisch zwischen offener Ostsee und Achterwasser auf nur 300 Meter.

(K)eine Liebe auf den ersten Blick…

Usedom ist touristisch hoch erschlossen. Auf der längsten Strandpromenade Europas flanieren mehrere hundert, wenn nicht gar tausende Menschen täglich über eine Länge von 12 Kilometern zwischen den sogenannten Kaiserbädern von Bansin über Heringsdorf und Ahlbeck bis ins polnische Swinemünde. Es geht vorbei an prachtvollen, weißen Villen im Stil der klassischen Bäderarchitektur aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, sowie an historischen Seebrücken.

​Und genau das ist unser Problem: Nach mehreren Wochen sozialer Abstinenz fällt es uns tatsächlich schwer, so viele Menschen um uns herum zu verkraften. Unsere Radtour von Bansin nach Swinemünde (die GPX-Datei zum Nachradeln gibt es im Downloadbereich weiter unten) gerät zum Spießrutenlauf zwischen lebensmüden Rentnern und Radfahrern, die scheinbar zum ersten Mal in ihrem Leben radfahren. Fazit: Trotz mondänem Schicks brauchen wir Abstand zum Trubel und gehen bei einem abendlichen Picknick am Strand mit Usedom auf Tuchfühlung…

…und dann funkt’s gewaltig!

Usedom ist wunderschön. Tags darauf erkunden wir die Bansiner Steilküste mit atemberaubenden Ausblicken auf die Ostsee – das ganze in knapp 60 Metern Höhe. Jetzt sind wir angekommen! Usedom entpuppt sich nicht länger als „unangenehme Begleiterscheinung“. Vielmehr freuen wir uns auf immer neue Eindrücke (trotz mancherorts touristischer Hochbelastung).

Abseits der prächtigen Seebäder und Touri-Hotspots punktet Usedom mit beschaulicher Ruhe: Fahrradtouren an den Kölpinsee und zum Wasserschloss Mellenthin im Achterland führen durch Wälder und Felder (auch diese Touren findest Du weiter unten im Download-Bereich). Und wer in die wirklich aufschlussreichen Geheimnisse der Kaffeerösterei und Rum-Destillation (mit dazugehöriger Verkostung) eintauchen möchte, sollte sich Schloss Mellenthin auf die Fahne schreiben. Dort setzt man auf traditionsreiche Manufaktur ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Die einsetzende Sommerhitze treibt uns schließlich vom Fahrrad aufs Strandlaken und sorgt dort neben gelegentlicher Abkühlung im seichten Ostseenass für einen täglich zunehmenden Bräunungsgrad.

Fazit und Ausblick

Unberührte Natur und sanfter Öko-Tourismus zeichnen die mecklenburgische Seenplatte aus. Das weitläufige Seen- und Kanalnetz schreit förmlich nach mehrtägigen Wasserwanderungen von Campingplatz zu Campingplatz. Wer es dagegen touristisch erschlossener mag, kommt auf Usedom mit seinen mondänen Seebädern und feinen Sandstränden voll auf seine Kosten.

Unser Augenmerk liegt in diesem Sommer weiterhin auf der deutschen Ostseeküste. Und so werden wir im Juli und August als mögliche Eventual-Ziele die altehrwürdige Universitätsstadt Greifswald, die wunderschöne Ostseeinsel Rügen, sowie die Seebäder Zingst und Kühlungsborn ins Visier nehmen. Und wenn wir schon mal im hohen Norden sind, ist für einen Abstecher nach Rostock und Stralsund (als Einfallstor nach Rügen) sicherlich auch noch ein wenig Zeit… Also: Bleib dran!

Download-Bereich
GPX-Track: Bansin-Heringsdorf-Ahlbeck-Swinemuende-Ahlbeck-Heringsdorf-Bansin
GPX-Track: Bansin-Pudagla-Neppermin-Mellenthin-Neppermin-Benz-Sallenthin-Bansin
GPX-Track: Bansin-Ueckeritz-Koelpinsee-Ueckeritz-Bansin
GPX-Track: Drosedow-Wesenberg-KleinQuassow-Userin-Lindenberg-Neustrelitz-Lindenberg-Userin-KleinQuassow-Wesenberg-Drosedow.zip
Weiterführende Links zum Thema
insel-usedom.info
kaiserbaeder-auf-usedom.de
mecklenburgische-seenplatte.de/reiseziele/touristinformation-mirow
niesmann.de
neustrelitz.de
wasserschloss-mellenthin.de

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