Tschüss Zingst. Für uns geht es über Rostock ins beschauliche Hinterland, bevor wir nach einem Abstecher in Wismar das vorerst letzte Ostsee-Ziel für diesen Sommer ansteuern: Die kleine Gemeinde Grube.
Unterwegs testen wir neben den bekannten Stell- und Campingplätzen eine neue Form der Übernachtungsmöglichkeit: Die App „Landvergnügen“. Was das ist, wie es funktioniert und für wen es sich lohnt, erfährst Du unter anderem in diesem Beitrag.
Reiseverlauf
Im Reiseverlauf findest Du detaillierte Angaben zu unseren Fahrtrouten – vom vorherigen Beitragsort bis zum Ort dieses Beitrags inklusive Zwischenstopps.
So funktioniert „Landvergnügen“
Landvergnügen ist ein Stellplatzführer für Wohnmobile, Kastenwagen und Wohnwagen, der Übernachtungen auf über 5.000 ländlichen Betrieben (Bauernhöfe, Weingüter, Brauereien, Imkereien) in Deutschland, Österreich und der Schweiz ermöglicht. Die App findest Du in allen gängigen Stores zum kostenlosen Download.
Du kaufst die Jahresmitgliedschaft per digitaler App-Freischaltung zum Preis von 69,00 € (Stand 2026) und darfst damit ein Jahr lang auf teilnehmenden Höfen übernachten.
Kosten vor Ort: Die Übernachtung selbst ist kostenlos. Als faire Gegenleistung wird erwartet, dass man sich vor Ort umsieht und idealerweise im Hofladen oder Gastbetrieb einkauft.
Dauer: Erlaubt ist jeweils ein Aufenthalt von maximal 24 Stunden pro Hof.
Autarkie: Das Fahrzeug muss zwingend autark sein (bordeigene Toilette ist Pflicht), da viele Höfe keine Sanitäranlagen oder eine Ver- und Entsorgung anbieten.
Buchung: Über die App prüfst Du, ob Plätze frei sind. Die Anmeldung erfolgt meist kurzfristig (am selben Tag oder 24 Stunden vorher) direkt über die App oder telefonisch beim Gastgeber.
Unsere persönliche Erfahrung: Für uns ist die App „Landvergnügen“ eine unverzichtbare Ergänzung des Übernachtungsangebots. Es gibt dort überaus faszinierende Plätze in ländlicher Idylle, die manchem Campingplatz hinsichtlich ihrer Lage definitiv überlegen sind. Häufig steht man ganz allein und extrem ruhig. Schau Dir einfach unsere Eindrücke unten in der Fotogalerie an – denn Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Bedenke aber auch den Preis: Wir sind 24/7/365 unterwegs und greifen damit enorm häufig auf das Angebot der App zurück. Wer hingegen nur mal hin und wieder mit dem Camper unterwegs ist, sollte abwägen, ob sich die derzeitigen Kosten von 69,00 € amortisieren.

Ein Stellplatz auf der Weide – Schöner steht man selten.
Premiere mit Landvergnügen bei der Hanse Sail in Rostock
In Rostock feiern wir Premiere und übernachten erstmals mit unserer frisch erworbenen App an der Küstenmühle. Von dort geht es an den Rostocker Hafen, um dort ein Déjà-vu zu erleben, wie wir es von unserem Besuch in Stralsund her kennen: Dort platzten wir seinerzeit nichtsahnend in die Wallensteintage – und aus einem geplanten Aufenthalt von einem Tag wurden dann fünf (!) Tage (unseren Bericht dazu findest Du hier). In Rostock scheint das Schicksal sich wiederholen zu wollen: Wir platzen nichtsahnend diesmal in die Hanse Sail.
Während der Hanse Sail kommen mehr als 100 Traditions- und Museumsschiffe aus vielen Nationen in den Rostocker Stadthafen. Ziel ist es, Einnahmen für den Erhalt der alten Schiffe zu generieren und somit das maritime Erbe zu bewahren. Besucher können an Bord gehen und bei Ausfahrten und Regatten auf der Ostsee mitsegeln. Entlang der Kaikanten gibt es Live-Musik, Märkte, Fahrgeschäfte und kulinarische Angebote aus aller Welt. Das Fest zieht jährlich rund eine halbe Million Menschen an – UND WIR MAL WIEDER MITTENDRIN! Doch diesmal bleiben wir standhaft und verlassen Rostock wie geplant nach nur einer Übernachtung.
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Der Gespensterwald von Nienhagen
Es verschlägt uns mit Landvergnügen auf einen Forellenhof ins verschlafene Bartenshagen-Parkentin. Von dort geht es mit den Fahrrädern zum Gespensterwald Nienhagen. Die Fahrradtour steht weiter unten wie immer als GPX-Datei im Downloadbereich zur Verfügung und darf bei Interesse gerne nachgeradelt werden.
Namensgebend sind die bizarr schief gewachsenen Bäume, die dem Ort durch ständigen Wind ein unheimliches Aussehen verleihen. Die Stämme und Kronen der 90- bis 170-jährigen Buchen, Eichen und Eschen neigen sich charakteristisch ins Landesinnere, weil sie quasi vor dem starken Ostseewind „fliehen“. Fachleute nennen solche Bäume „Windflüchter“. Die oft silbrig-weiße bis graubraune, teilweise mit Moosen oder Flechten bewachsene Rinde sorgt für eine mystische Optik. Zwischen den alten Bäumen wächst kaum Strauchwerk. Dadurch entsteht ein spezielles Licht- und Schattenspiel, das vor allem bei Nebel oder Dämmerung sehr gespenstisch wirkt.

Der Gespensterwald Nienhagen: Durch Salz geformt, vom Sturm gebeugt.
Über Wismar nach Grube
Eins eint alle bisher besuchten Hansestädte gleichermaßen: Die typische Backsteingotik, ein Marktplatz mit einem meist farblich hervorstechenden Rathaus sowie mindestens eine imposante Kirche – alles erbaut in der Hochblüte der Hanse um das 13. Jahrhundert. Und so geht es mit unserer neuen Lieblings-App über teils dramatisch schöne Stellplätze bei unterschiedlichen ländlichen Betrieben nach Wismar. Wie erwartet werden wir mit typisch hanseatischem Flair begrüßt und erweisen der Altstadt mit dem obligatorischen Pflichtbesuch unsere Ehre.
In Wismar fallen uns allerdings auch zusätzliche und neue Details auf, die ein wenig aus der Zeit gefallen scheinen: So finden wir unter anderem die Beschilderung zu einem öffentlichen Fernsprecher oder die Beschriftung eines „Barbier Frisir & Haarschneide Salons“ längst vergangener Tage. Ebenso verhält es sich mit kirchlichen Gebäuden, die nach dem zweiten Weltkrieg oft schwer beschädigt waren und vom DDR-Regime entweder gesprengt wurden oder zu riesigen Ruinen verfielen. Nach der Sprengung des Kirchenschiffs der Marienkirche im Jahr 1960 blieb nur der etwa 80 Meter hohe Westturm erhalten, während die Umrisse des Kirchenschiffs und die Grundmauern heute als Bodendenkmal das Stadtbild markieren. Die Georgenkirche verfiel über Jahrzehnte zu einer Ruine und stürzte kurz vor der Wende 1990 sogar teilweise ein. Der aufwendige Wiederaufbau wurde erst 2010 abgeschlossen.

Irgendwie aus der Zeit gefallen.
In Grube mal nichts tun
Nach all der städtischen Hektik freuen wir uns auf schöne Strandtage. Wir verlassen nach Wochen erstmals Mecklenburg-Vorpommern zugunsten des westlichen Nachbarlandes Schleswig-Holstein. Während ganz Deutschland schwitzt, genießen wir zwar warme, aber dennoch erträgliche Temperaturen am Rosenfelder Ostseestrand in der kleinen Gemeinde Grube.
Der Ort ist wie für uns gemacht: Keine großen Unterhaltungs- und Einkaufsmöglichkeiten in der näheren Umgebung, kein Trubel und angesichts der langsam auslaufenden Hauptsaison gefühlt täglich immer weniger Menschen. Wir verbringen zwei wunderschöne Wochen, während die Tage nun merklich kürzer werden. Mit ein wenig Wehmut müssen auch wir der Tatsache ins Auge blicken, dass sich unsere Zeit an der Ostsee dem Ende entgegenneigt…
Fazit und Ausblick
Sonnig-entspannte Wochen an der deutschen Ostseeküste liegen hinter uns. Wir haben faszinierende Orte gesehen, nette Menschen kennengelernt und neben vielen neuen Eindrücken auch so einiges gelernt. Wir möchten unsere Erfahrungen, die wir auf unserer Reise bislang sammeln durften, nicht missen.
Über Hamburg und die Lüneburger Heide geht es nun zurück ins Ruhrgebiet. Wir freuen uns auf unsere Familie und Freunde, bevor wir uns im Herbst in den Süden Europas verabschieden werden. Schön, wenn Du uns auch weiterhin auf unserer Reise begleitest.

