Monats-Rückblick April 2026: Das Haus ist weg und unser Leben passt jetzt offiziell auf 4 Räder. Der April markiert in unserer persönlichen Zeitrechnung damit den „Monat der Befreiung“. Die Haustürschlüssel haben wir abgegeben und den Ballast von Jahrzehnten hinter uns gelassen.
Was sich anfangs noch wie ein langer Urlaub angefühlt hat, ist nun dauerhafter Alltag. Wir sind jetzt Vollzeit-Vagabunden. Und dabei hat uns der erste Monat quer durch den Pott und bis an den Niederrhein geführt. Unsere erste Erkenntnis: Man muss nicht weit fahren, um sich ganz weit weg zu fühlen.
Unsere Orte im April
Hier findest Du detaillierte Angaben zu den von uns besuchten Orten.
Gas-Geständnis: Anfängerfehler und ratlose Gesichter
Bevor wir jedoch unseren ersten Stellplatz ansteuern, heißt unser wirklich allererstes Ziel: Die nächstgelegene Tanke. Die Romantik der Freiheit hat nämlich ganz profane Grenzen: Zum Beispiel ein leerer Gastank. Und da die Temperaturen im April nicht unbedingt zum Nacktbaden in den Brennnesseln einladen, war klar, dass wir ohne Gas für unsere Heizung eine ziemlich frostige Zeit erleben werden. Also ran an die Zapfsäule. Doch wie zum Geier tankt man eigentlich Gas? Die Zapfpistole sieht zwar fast aus wie eine normale Benzinpistole, aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Nach ein paar kläglichen Versuchen, das Ding anzuschließen und den Tank zu befüllen, suchen wir Hilfe bei der „Fachkraft“ an der Kasse. Die junge Dame starrt uns allerdings ratlos an, als hätten wir sie nach der Relativitätstheorie gefragt. Fachberatung? Fehlanzeige.
Nach einigem Probieren, beherztem Fluchen und dem Austausch von „Keine-Ahnung-wie-das-gehen-soll-Blicken“ klappt es dann doch noch – der Tank ist nach einer 30-minütigen Odyssee endlich gefüllt. Und jetzt endlich ab nach Oberhausen!
Ankerplatz Oberhausen
Mit vollem Tank und der Gewissheit, nachts nicht am Bettlaken festzufrieren, rollen wir endlich auf den Stellplatz Marina Oberhausen. Es ist unser erster offizieller Stopp als Vollzeit-Vagabunden. Der Blick auf die im Wasser schaukelnden Boote hat sofort etwas Beruhigendes. Wir parken, fahren die Stützen aus und machen uns den ersten „Freiheits-Kaffee“.
Es ist schon verrückt: Wir sind Luftlinie nur ein paar Kilometer von unserem alten Zuhause in Essen entfernt, aber gefühlt liegen Welten dazwischen. Das maritime Flair lässt den Stress der letzten Wochen so langsam abfallen. Wir verbringen hier die ersten Nächte und dies ganz bewusst auf einem Stellplatz, auf dem wir uns um Ressourcen wie Frischwasser und Strom schon mal keine Gedanken machen müssen: Zu viel gilt es noch zu sortieren (sowohl in unseren Schränken, als auch in unseren Gedanken). In den wenigen freien Minuten genießen wir das Gefühl, dass wir ab jetzt dort bleiben können, wo es uns gefällt – oder eben einfach weiterziehen.
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Waldgeflüster und Zwangspause
Es zieht uns weiter ins nördliche Ruhrgebiet. Der Stellplatz Wittringer Wald in Gladbeck ist das komplette Kontrastprogramm zu Oberhausen. Wir verbringen dort herrliche Tage bei bestem Frühjahrswetter und nutzen die Zeit für ausgiebige Spaziergänge rund um das wunderschöne Wasserschloss Wittringen. Hier kommt die Rübe endlich zur Ruhe. Während wir bei zartem Vogelgezwitscher unter altem Baumbestand unterwegs sind, wird uns mehr und mehr klar: Alles richtig gemacht!
Ein ganz besonderes Highlight: Die Begegnung mit dem dortigen Platzwart Ceylan – ein Ruhrgebietsoriginal, wie es im Buche steht. Ceylans Gastfreundschaft ist entwaffnend, und so erleben wir einige sehr nette, feuchtfröhliche Abende in bester Gesellschaft. Doch dann schlägt das Schicksal in Form eines „virösen Irgendwas“ zu und knockt uns nacheinander für einige Tage aus. In dieser misslichen Lage zeigt sich die wahre Seele des Potts: Ceylan versorgt uns mit selbst gekochter Suppe zur Genesung. Beinah zwangsweise verbringen wir somit ganze neun Tage vollkommen autark in Gladbeck – der erste Härtetest mit positivem Fazit: Unsere Batterien sind dank unserer Photovoltaik auf dem Dach ständig gut gefüllt. Der Gastank (wir erinnern uns) dank Gefluche sowieso. Nur der anfangs randvolle Frischwassertank ist nach neun Tagen so gut wie leer und die nun gut gefüllten Abwassertanks freuen sich, ihren Ballast endlich wieder loszuwerden. Wieder genesen verlassen wir Gladbeck und freuen uns auf ein Wiedersehen mit Ceylan und seiner Frau Anna.
Ein Besuch im Gasometer Oberhausen
Es geht zurück nach Oberhausen. Wir stehen dort in unmittelbarer Nähe zum Gasometer und bestaunen zum ersten Mal die prachtvolle, nächtliche Beleuchtung des Stahlriesen direkt aus unserem Schlafzimmerfenster. Eine Wahnsinnskulisse, die ihresgleichen sucht und ihre ganz eigene Magie hat. Tagsüber ist natürlich ein Besuch der aktuellen Ausstellung „Mythos Wald“ Pflicht.
Und so neigt sich der April dem Ende entgegen und damit auch der Abschied vom Ruhrgebiet. Dass wir den ersten Monat unserer Freiheit ausgerechnet hier im „heimischen Dunstkreis“ verbracht haben, hat einen ganz besonderen Grund: Unser Sohnemann steht seit wenigen Wochen mit 18 Jahren und eigener Wohnung auf eigenen Beinen. Als Eltern ist es uns wichtig, ihm die nötige Unterstützung zu bieten, bis wir sicher sind, dass alles reibungslos passt. „Bis dahin bleiben wir“ lautet unsere Devise – und da nun das Nest-Management steht, können wir bedenkenlos aufbrechen.
Niederrhein-Idylle und kuriose Überfahrten
Der Stellplatz Aldekerker Platte Kerken ist der perfekte Ort, um die Seele baumeln zu lassen. Hier ticken die Uhren gefühlt ein wenig langsamer, und die weite Landschaft lädt förmlich dazu ein, das Tempo rauszunehmen. Wir nutzen die Zeit für ausgiebige Radtouren durch die idyllische Umgebung. Falls Du Lust hast, die Gegend ebenfalls auf zwei Rädern zu erkunden, haben wir eine besonders schöne Tour zum Nachradeln in den Downloadbereich weiter unten gepackt.
Und da der Niederrhein bekanntlich nicht mit Kuriositäten geizt: Kennst Du eigentlich eine Selbstbedienungsfähre? Nein? Schade, dann hast Du scheinbar weder weiter oben die Fotos zu diesem Beitrag angesehen, noch den dazugehörigen Videobeitrag… 🙂
Finale am Lago Laprello (mit bösen Buben)
Von Aldekerk geht es Ende April an den Lago Laprello nach Heinsberg und dort im wahrsten Sinne des Wortes zur Beinahe-Begegnung mit den bösen Buben. Aber der Reihe nach: Der Lago Laprello ist ein künstlich angelegter See direkt im Stadtgebiet von Heinsberg. Der dortige Stellplatz (ein ausführlicher Stellplatzbeitrag folgt natürlich noch) liegt unmittelbar am Wasser. Der See besticht durch eine Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten und lädt im kostenlosen Freibad mit Sandstrand zum Schwimmen und Verweilen ein. Angeln und Tauchen scheint hier ein extrem beliebter Wassersport zu sein, denn auf unseren Runden ums Wasser haben wir in etwa so viele Spaziergänger wie Taucher und Angler wahrgenommen. Die ca. drei Kilometer lange Strecke rund um den See ist für Jogger und Inliner ideal.
Und nun zur wahren Besonderheit am Lago Laprello, die sich direkt hinter dem Stellplatz verbirgt: Die JVA Heinsberg und damit die bösen Buben, die gefühlt einen Steinwurf entfernt im Rücken hinter dem Wohnmobilstellplatz verwahrt werden. Zum Glück trennen uns sehr hohe Mauern von unseren unfreiwilligen Nachbarn, sodass wir die Aussicht aufs Wasser trotzdem völlig tiefenentspannt genießen können.
Unser Monatsabschluss – Ein Resümee
Hinter uns liegen die ersten vier Wochen als Vollzeit-Nomaden. Wenn wir eines im April gelernt haben, dann das: Pläne sind dazu da, umgeworfen zu werden (aber das wussten wir eigentlich auch schon vorher). Was als „Monat der Befreiung“ mit technischer Aufrüstung und kleinen Hürden begann, entwickelte sich zu einer Reise voller menschlicher Wärme und unerwarteter Entschleunigung.
Vom Kampf mit dem Gastank in Oberhausen über die rettende Suppe von Ceylan in Gladbeck bis hin zur kuriosen Fähre am Niederrhein – jeder Kilometer hat uns gezeigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Wir haben nicht nur unser „Nest-Management“ erfolgreich abgeschlossen, sondern auch gelernt, dass Autarkie mehr ist als nur volle Batterien; es ist das Gefühl, überall dort zu Hause zu sein, wo wir den Motor abstellen.
Der Alltag ist nun offiziell am Arsch, und das ist das beste Gefühl der Welt. Wir sind bereit für den Mai, bereit für neue Ziele und bereit für alles, was hinter der nächsten Kurve wartet. Bleib dran – die Reise fängt gerade erst an!
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